Die Congrega Desmotes (Bruderschaft der Gefesselten) fungiert als Titel für eine narrative Fiktion, in deren Rahmen ich einen selbstreferenziellen und selbstfiktionalisierten Arbeitszyklus kreiere. Der Geheimbund der Congrega Desmotes, welcher sich angeführt von einer Art promethischen Reinkarnation, der Verehrung des Gottes Ing widmet, ist hierbei der Ankerpunkt. Eine fiktive Komponente, welche in einen realen Kontext gebettet wird, und unter dem Gesichtspunkt der Existenz dieser Bruderschaft historische Realität verzerrt. Der Begriff der Metafiktion ist hierbei zu nennen. Eine Fiktion, welche konstruiert aus anderen Fiktionen vorangegangener Arbeiten und realer Geschehnisse eine neue, referenzielle Fiktion bilden, welche wiederum auf einen realen Kontext reagiert. Man könnte es als eine Art Parallelwelt betrachten, in welcher Fakten dieser Realität in einer Parallelen verzerrt existieren und den Zeitstrom ändern. Die Fantasie des echten Künstlers, welche in Objekten versinnbildlicht wird, erschafft eine neue Parallelrealität, in welcher diese Fantasien und Objekte tatsächliche Realität sind. 

Die Figur des Prometheus, die in jener Realität als fiktionalisierte Variante des Künstlers existiert und als Hohepriester oder Kultleiter fungiert, bildet den Hauptcharakter, welcher natürlich an den griechischen Mythos des Titanen Prometheus angelehnt ist. Prometheus, welcher seiner durch Götter vorherbestimmten Position entsagt, sich seiner Determination entzieht und Kontrolle selbst ausübt. Die Figur des Prometheus als Künstler beziehungsweise Erschaffer von Realität wird in meinem Fall psychologisiert betrachtet als von Neurose und Minderwertigkeit getriebene Figur, welche aufbegerht gegen das Schicksal auf seinem Weg der Persönlichkeitsentwicklung, bei der er verschiedene Stadien hin zum selbstständigen Menschen durchläuft. Prometheus wird nicht zum göttlichen Ideal, sondern zum Sinnbild des alltäglichen Menschen mit seinen Irrungen und Wirrungen im stetigen Kampf mit sich selbst.

Das Schöpfergenie wurde oftmals in verschiedenen Kontexten der Literatur und anderer Medien aufgegriffen. Beispielsweise die lyrische Adaption dieses Themas durch Goethe diente hierbei als Instrument der Veranschaulichung künstlerischen Genies und damit einhergehend eine zunehmende Abwendung vom theozentrischen Weltbild des Künstlers in der damaligen Epoche. Zentral für meine Arbeit an Prometheus stelle ich hierbei eben jenen Trotz beziehungsweise den aus Minderwertigkeit geborenen Zwang zur Größe und Selbstüberhöhung heraus. Die Ohnmacht des Menschen, beiziehungsweise seine Determination durch Staat und göttliche Fügung weicht einer Obsession zu Macht und Schöpfungsenergie, welche bei Goethe in dem literarischen Autorschaftsmodell des Kunstgenies seinen Ausdruck fand, welches sich nun keinerlei Konventionen oder höheren Instanzen zu unterwerfen hätte. Man avanciert selbst zum Schöpfer.

Einhergehend mit meinem Hauptthema der Auseinandersetzung mit der Korrespondenz zwischen psychologischen Prozessen in Relation zu Verhaltensweisen des Menschen, greife ich hier den Prozess des Größenwahns resultierend aus Minderwertigkeit heraus, welcher in verschiedenen Aspekte durch diverse symbolistische Aquarelle veranschaulicht wird. Beispielsweise Mary Shelleys „Frankenstein oder der moderne Prometheus“ zeigt nach moderner psychoanalytischer Interpretation die Figur des Viktor Frankenstein als eine von schizotypischer oder borderline-schizophrener Persönlichkeitsstörung gezeichnete Figur. Diese Figur, welche determiniert ist von Verwahrlosung, Einsamkeit und sozialer Isolation gleitet zunehmend in einen inneren Kreislauf von wahnhaften, zwanghaften Ideen des Schöpfertums ab, um sich selbst als Schöpfergenie über seine eigene Determination durch seine Krankheit zu erheben. Seine Isolation zwingt ihn in jene beinahe narzistische Obsession, um seiner selbstempfundenen Ohnmacht entgegenzuwirken. Schöpfungswahn avanciert zur Möglichkeit die Macht auszuüben, die ihm verwehrt war.


Durch schamanische und alchemistische Praktiken, ähnlich wie Frankenstein, entwickelt er Techniken der Erschaffung von neuem Leben, vor allem um sich selbst in eine göttliche Machtposition versetzen zu können, die ihm vorher versagt war, und seinem Potential Ausdruck verleihen zu können. Diese Macht nutzt er für die rituelle Schaffung seiner Promether, Menschen, welche er durch das kultisch zelebrierte Rituale nach seinem Bilde neu gestaltet und natürlich sektenhaft indoktriniert. Der, dem die Macht versagt wurde, versucht diese durch Missbrauch zu überkompensieren. Als Verschleierung dieser mentalen Versklavung nutzt er hier die heidnische Gottheit Ing, welche zentrale Tugenden seines Strebens der Legende nach verkörpert. Der Gott Ing, als neue göttliche Instanz, welcher er sich unterwirft, nachdem er sich losgesagt hatte, zeigt sein paradoxes Verhalten. Er will selbst Gott sein, doch Götter als Spiegelbild braucht er nach wie vor.

Zentrale Arbeiten nach diesem Konzept: